Esau + Jakob: 1. Mose 25 + 26

Isaaks Betrübnis war sehr groß;
kein Kind wuchs in Rebekkas Schoß.
Er bat darum sehr inniglich,
worauf der Herr erbarmte sich.

Nicht nur ein Kind, nein, deren zwei,
noch nicht gebor‘n, schon Streiterei.
Sie stießen sich in Mutters Bauch,
darunter litt die Mutter auch.

Gott sagt: „Rebekka, du allein,
wirst Mutter zweier Völker sein.
Der Sohn, der kommt zuerst zur Welt,
der wird dem andern unterstellt.

So wird es sein, weil ich es sag‘.“
Dann kam für die Geburt der Tag,
als Erster Esau, rot und rauh,
danach der Jakob, der war schlau,

des Esaus Ferse hielt er fest,
die Mutter liebt ihn allerbest.
Die Söhne wachsen stark heran,
der Esau wurde Jägersmann,

er jagt und bringt das Wild daher.
Der Isaak liebt den Esau mehr.
Doch Jakob geht nicht oft aufs Feld,
bleibt gern daheim bei seinem Zelt.

Der Jakob kocht – faul ist er nicht –
aus roten Linsen ein Gericht,
als Esau aus dem Felde kam,
mit Hunger, müde und halb lahm.

„Gib mir zu essen, hmm, der Duft,“
der Esau halb verhungert ruft.
„Du kriegst gleich was“, der Jakob knurrt,
„Verkauf mir deine Erstgeburt.“

„Was soll mir die“, der Esau denkt,
„von mir aus kriegst du sie geschenkt.
Nimm du sie hin, ich brauch sie nicht.
Und jetzt gib mir das rot‘ Gericht!“

Der Jakob gibt noch Brot dazu,
jetzt hat die liebe Seele Ruh.
Somit, was Gott verkündet hat,
ist umgesetzt durch diese Tat.

Als dann der Esau später freit,
bereitet er nur Herzeleid,
dem Vater und der Mutter auch.
Zwei Frauen, wie es damals Brauch,

hat er gehabt; sie sind bekannt,
Judith aus dem Hethiterland,
dazu auch noch die Basemath,
er von dort mitgebracht sich hat.

 

©  2010      Gisela Kibele

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