Träume im Gefängnis / 1. Mose 40

Dort im Gefängnis ging’s nicht schlecht,
der Joseph schafft die Arbeit recht.
Im Land regiert der Pharao,
doch den macht auch nicht alles froh.

Denn es begab sich irgendwann,
dass neu zwei Männer kamen an.
Der Pharao hat sie gebracht,
den hatten zornig sie gemacht.

Zwei Kämmerer, der eine Schenk,
der andre Bäcker. Eingedenk
des hohen Amts, das sie verseh’n
musst‘ Joseph jetzt zu ihnen geh’n.

 

Sie waren läng’re Zeit schon dort;
er war nicht angenehm, der Ort.
Dann eines Nachts, man glaubt es kaum,
da hatten beide einen Traum.

Am Morgen waren sie bedrückt
und als dann Joseph sie erblickt,
da fragt er, was wohl sei gescheh’n,
weil traurig in die Welt sie seh’n.

Sie sagen, dass ihr Traum es war,
der sie verstört; er war nicht klar.
Es waren Bilder, die sie sah’n,
doch kam der Sinn nicht richtig an.

Der Joseph sagt: „In Gottes Macht
steht, zu erklär’n, was sie gesagt;
erzählt sie mir, ich werde dann
erklären, soweit ich es kann.“

Der Schenk fängt an: „Ein Weinstock war
vor mir, und der wuchs wunderbar.
Drei Reben hat er, saftig grün,
die blühten, Trauben wuchsen hin.

Die reifen Trauben, frisch gepflückt
ich in Pharaos Becher drückt‘,
der Saft im Becher hoch gleich stand,
dem Pharao gab ich’s zur Hand.“

Da sagte Joseph: „Du hast Glück,
du kehrst bald in dein Amt zurück.
Drei Tage noch, dann wird es wahr,
dann ist vorüber die Gefahr.

Doch bitte ich, vergiss mich nicht,
wenn du dann wieder bist im Licht.
Hier leb‘ ich fast so wie im Grab,
obwohl ich nichts verbrochen hab‘.

Der Bäcker fand die Deutung gut,
berichtet drum mit frohem Mut,
was er geträumt: „Drei Körbe trug
ich auf dem Kopf; ganz voll, genug

für unsern guten Pharao.
Doch wurde der daran nicht froh,
denn Vögel fraßen alles leer.
Dem Pharao blieb gar nichts mehr.“

Dem Bäcker sagte Joseph dann:
„Für dich sieht es nicht gut aus, Mann;
drei Tage werden noch vergeh’n,
dann – leider – ist’s um dich gescheh’n.

Ein Galgen steht für dich bereit.
Bald ist vorüber deine Zeit;
die Vögel fressen dein Gebein,
viel wird dann nicht mehr übrig sein.“

Als Pharao Geburtstag hat –
drei Tage später fand das statt –
da lädt er die Minister ein;
sein Schenk verteilt den guten Wein,

wie Joseph im geprophezeit.
Doch war der Bäcker auch nicht weit.
Am Galgen starb er bald darauf;
so gingen ihre Träume auf.

Der Joseph blieb allein zurück
im Knast; er hatte noch kein Glück.
Der Mundschenk war’s, der es vergaß,
dass Josef im Gefängnis saß.

Und wie es weitergeht im Text,
das schreib‘ ich später. Bis demnächst.

 

© 14.05.2017       Gisela Kibele

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