Jakobs Heimreise, 1. Mose 30-31

Dem Laban brachte Jakob Glück.
Doch Jakob will dorthin zurück,
woher er kam. Als Laban fragt
nach seinem Lohn, der Jakob sagt:

„Der Herr hat Segen dir gebracht,
solang ich hier war, Tag und Nacht.
Drum gib mir jetzt von deinem Vieh,
was farbig ist, du weißt schon, wie.

Gefleckt, gescheckt und bunt dazu,
die seien mein; dann geb‘ ich Ruh‘.“
„Wie du gesagt hast, soll es sein,“
sagt Laban, und er geht hinein.

Er sucht die bunten Tiere aus
führt alle sie auf’s Feld hinaus.
Sagt seinen Söhnen: „Nehmt sie fort,
und bringt sie weg von diesem Ort.“

Die Tiere sind jetzt alle weiß.
Der Jakob hütet sie mit Fleiß
wie bisher. Und mit viel Verstand,
sorgt er dafür, dass bald sich fand

von bunten eine große Schar.
Und weil es so vereinbart war,
behielt die Bunten er allein,
Kamel, Schaf, Esel, alles sein.

Im Lauf der Zeit war Jakob reich.
Bei Laban wuchs der Neid sogleich
und seine Seele wurde hart;
gönnt Jakob nicht, was der erspart.

Gott spricht zu Jakob: „Es ist Zeit,
zieh du nach Hause, es ist weit.
Ich bin bei dir, begleite dich.“
Und Jakob hört, er zweifelt nicht.

Rahel und Lea sagen auch:
„Wir kommen mit, so ist es Brauch.
Was Gott gesagt hat, alles nun,
das soll gescheh’n, das musst du tun.“

Als Laban ausgegangen war,
zu scheren seiner Schafe Schar,
floh Jakob; alles, was er hatt‘
floh mit ihm über den Euphrat.

Die Rahel hat, bevor sie ging,
gestohlen noch ein kleines Ding:
des Vaters Hausgott nahm sie mit.
Dann zogen fort sie, Schritt für Schritt.

Als Laban merkte, was gescheh‘n,
konnt‘ er nicht länger ruhig steh’n.
Jagt Jakob nach, er holt ihn ein.
Gott sagt‘ ihm, er muss freundlich sein.

Der Laban fragt den Jakob schon:
„Warum“, sag‘ doch, „bist du gefloh’n?
Ich hätte gerne noch geküsst
die Enkel, Töchter, doch du bist

ganz schnell und heimlich abgehau’n.
Ich konnte hinterher nur schau’n.
Doch hast an eins du nicht gedacht,
zu tun dir Böses hätt‘ ich Macht.

Dein Gott kam nachts im Traum zu mir
und sagte: ‘Ich befehle dir,
dass freundlich du zu Jakob bist.‘“
Antwortet Jakob: „Nun, es ist

tatsächlich so: ich reiste ab,
weil ziemlich Angst ich vor dir hab‘.“
„Warum“ fragt Laban unverhohl’n,
hast du mir meinen Gott gestohl’n.“

Der Jakob sagt: „Ich hab‘ ihn nicht.
Doch hat verdient ein Strafgericht,
bei wem du findest dieses Stück.
Dann nimm‘ es mit zu deinem Glück.“

Der Laban sucht an jeder Stell‘,
dass seinen Gott er fände schnell.
Geht und betastet jedes Zelt,
schaut, ob ihn jemand reingestellt.

Die Rahel legt ihn aufs Kamel,
den Gott, und setzt sich drauf noch schnell.
Als Laban kommt, sagt sie ihm leis‘:
„Es geht mir nach der Frauen Weis‘,

ich kann nicht aufsteh’n, du verstehst,
auch wenn du hier im Zelt rumgehst.“
Den Jakob packt langsam der Zorn,
er fragt: „Was hast du hier verlor’n?

Du schleichst herum in jedem Zelt.
Ich sag, dass mir das nicht gefällt.
Sprich doch, was hab‘ ich dir getan?
Sieh nur die zwanzig Jahre an,

die ich im Dienste war bei dir.
Was also suchst du hier bei mir?
Ich hab‘ geschuftet Tag und Nacht
und hab‘ dich dadurch reich gemacht.

Wenn nicht mein Gott gewesen wär,
hätt’st du mich fortgeschickt ganz leer
und ohne Lohn; doch Gott war hier
und schützte mich vor deiner Gier.“

Da lenkte Laban schließlich ein.
Und Jakob stellte einen Stein
zum Zeichen auf für einen Bund.
Sie aßen dann zu dieser Stund‘

gemeinsam auf den Steinen dort.
„Die Steine bleiben immerfort
als Zeugen für den Bund dort steh’n,
wenn wir jetzt auseinander geh’n.“

Sie riefen Gott als Zeugen an,
für diesen Bund. Und dann begann
der Friede: Jeder schwor darauf
und machte sich zur Heimfahrt auf.

Und wie es weitergeht im Text,
das schreib‘ ich später. Bis demnächst.

 

19.04.2012                 © Gisela Kibele

1 Gedanke zu “Jakobs Heimreise, 1. Mose 30-31

  1. Wow, was für ein langes Gedicht!
    Könnte man fast ein Hörspiel/Hörbuch daraus machen 🙂
    Die überlieferte biblische Erzählung ist sehr gut wieder gegeben.

    Gruß Hans

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