Josephs Träume: 1. Mose 37

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Der Jakob wohnt in Kanaan,

wie schon sein Vater hat getan.

Die Söhne waren Hirten dort,

auch Joseph führte das so fort:

 

Er hütet wohl der Schafe Schar,

so, wie es damals üblich war.

Sein Vater, der ihn lieber hat,

als alle andern, in der Tat,

 

der macht ihm einen Rock, schön bunt.

Als dies den Brüdern wurde kund,

da schauten böse sie dorthin

und feindlich waren sie auf ihn.

 

Der Joseph hatte einen Traum,

erzählt ihn auch, man glaubt es kaum,

den Brüdern: „Garben auf dem Feld,

die waren alle aufgestellt

 

  Josephs Traum von den Garben, die sich neigen
  Höchstädt – Kirche Mariä Himmelfahrt

 

                                 


im  Kreis, und dazu mittendrin 

noch eine Garbe, zu der hin

die anderen verneigen sich.

Die Garbe mittendrin bin ich.“

 

Die Brüder waren außer sich:

„Glaubst du vielleicht, wir werden dich

verehren, ganz so, als ob du

ein König wärst? Ja, spinnst denn du?“

 

„Es gibt noch einen zweiten Traum:

Ich stand in einem weiten Raum;

Mond, Sonne und elf Sterne hier

gemeinsam neigten sich vor mir.“

 

Der Vater schalt: „Was soll das sein?

Soll ich und auch die Mutter dein

samt deinen Brüdern denn vor dir

noch niederfallen jetzt und hier?“

 

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Der Vater hebt die Worte auf;

die Brüder waren neidisch drauf.

– Und eines Tages kam die Zeit,

die Brüder waren fort, sehr weit,

 

zu weiden ihre Herden dort;

der Jakob schickt den Joseph fort,

zu sehen, wie’s den Brüdern geht,

ob alles auch zum Rechten steht.

 

Er sucht‘ sie lange, fand sie dann

mit ihren Herden bei Dothan.

Sie sahen ihn von ferne schon

und sagten: „Jetzt kriegt er den Lohn

 

für seine Träume. Sollen wir

ihn gleich erschlagen, jetzt und hier?

Wir sagen, dass an dieser Statt

ein Wildtier ihn gefressen hat.

 

Der Ruben fand es gar nicht gut,

will nicht vergießen Josephs Blut.

„In diese Grube werft ihn rein,

dann fällt uns sicher noch was ein.“

 

So taten sie, als Joseph kam.

Als erstes seinen Rock man nahm,

den bunten, den er gerne trug.

Den Brüdern war das nicht genug.

 


Sie warfen ihn mit Schwung hinein

in eine Grube, nicht zu klein.

Und diese Grube war ganz leer,

dort gab es auch kein Wasser mehr.

 

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Die Brüder setzten sich jetzt hin.

Der Joseph in der Grube drin

bekam nichts ab von ihrem Brot.

Sie wollten ja, er wäre tot.

 


Von ferne sehen sie sodann:

Kamele kommen dort heran.

Die Karawane will noch weit;

die Brüder sind sogleich bereit

 


und holen Joseph aus dem Loch.

„Es ist ja unser Bruder doch

und somit unser Fleisch und Blut.

Ihn umzubringen, wär‘ nicht gut.“

 


Der Juda sprach: „Gebt Joseph her,

wir sehen ihn dann niemals mehr.

Bis nach Ägypten soll er zieh’n,

die Karawane will dorthin.“

 

Für zwanzig Silberstücke dann

verkaufen sie den armen Mann.

Danach beschmieren sie den Rock

mit Blut von einem Ziegenbock

 

und bringen ihn zum Vater: „Schau,

wir wissen es nicht ganz genau.

Kennst du den Rock? Wir fanden ihn

so in der Wüste, mittendrin.“

 

Der Jakob sagt: „Den kenn‘ ich schon,

das ist der Rock von meinem Sohn.

Zerrissen hat ein wildes Tier

mir meinen Joseph. Ich will hier

 

und jetzt beweinen ihn. Mein Schmerz

zerreißt mich fast und auch mein Herz.“

Die Söhne und die Töchter auch,

die wollen trösten, wie es Brauch.

 

Doch Jakob spricht: „Ich trage Leid

um ihn, bis schließlich es so weit,

dass ich zu meinen Vätern geh‘

und meinen Joseph wieder seh‘.“

 

Der Joseph musste aber mit

der Karawane, Schritt um Schritt,

bis er dann in Ägypten war.

Dort kaufte ihn der Potiphar,

 

der Kämmerer des Pharao;

der konnt‘ ihn brauchen, sowieso,

zur Arbeit und sonst allerhand.

So blieb der Jospeh dort im Land.

 

Und wie es weitergeht im Text,

das schreib‘ ich später. Bis demnächst.

 

©  26. Dezember 2013             Gisela Kibele

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